Traum — Ruf — Tat
Der heiligen Lioba begegnen
Gedanken und Texte zum Lioba-Relief im Haus der Seelsorgeeinheit in Tauberbischofsheim
Lioba hat für Tauberbischofsheim eine besondere Bedeutung. Sie war hier im 8. Jahrhundert Äbtissin eines Klosters mit großer Strahlkraft. Noch heute können wir viel von ihrer Art des Christseins, des menschlichen Miteinanders, im Umgang mit Konflikten, an authentischem Glauben lernen. Ihr Wesen, ihre Geisteshaltung und die Atmosphäre, die in ihrer Umgebung herrschte, hat Menschen gut getan. Diese Erfahrung verbinden Menschen mit dem Haus, in das im Herbst 2011 die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Pfarrsekretärinnen der Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim eingezogen sind. Im ,,Klösterle“ lebten über 70 Jahre lang Benediktinerinnen von der heiligen Lioba - voller Tatkraft, sozial, politisch, im Gebet, in der Bildung, öffentlich und in Klausur. Ein großes Erbe und ein verpflichtender Anspruch, in das sich das ,,Haus der Seelsorgeeinheit“ einreiht.
Inspiration und ständige Erinnerung an den Auftrag, das Erbe der heiligen Lioba lebendig zu halten, ihrem Vorbild zu folgen und ständig neu zu bedenken, wie Liobas Grundhaltung heute praktisch werden kann — das will das Liobarelief sein, das in den Sommermonaten 2011 Rudi Knaus aus Tauberbischofsheim gestaltet hat. Es ist inspiriert von seiner lebendigen Erinnerung an die Bischemer Liobaschwestern — und ist getragen von der Hoffnung, dass es Wegzeichen sei in einem Haus der Gastfreundschaft und zuvorkommender Liebe, wie sie Lioba geschenkt hat.
Traum
Gott teilt sich dem Menschen auf ganz unterschiedliche Weise mit. Die Bibel ist voll von Erzählungen der Kommunikation zwischen dem Ich bin da und Frauen und Männern, die sensibel sind für Gottes Stimme und seinen Ruf. Und immer wieder ist es ein Traum, durch den Gott Menschen unmittelbar erreicht: Abimelech, Jakob, Joseph, der Pharao, Salomo, Daniel, Josef, die Weisen aus dem Morgenland …
Am Beginn des Lebens der heiligen Lioba steht ein Traum ihrer Mutter Aebbe. Ihr wird im Symbol der Glocke neues Leben angekündigt. Bald werde sie einer Tochter das Leben schenken, deren Berufung es sein wird, das Wort Gottes wie eine Glocke zu verkünden.
Ruf
Bonifatius war kein Einzelkämpfer: zu groß war die Aufgabe in der Kirchenorganisation und Mission Germaniens, zu deutlich sah er seine eigenen Grenzen, zu heftig waren auch die Widerstände, denen er ausgesetzt war. Vor allem aber spürte er — anders als viele seiner Zeitgenossen — dass es für die kirchliche Erneuerung nicht nur Männer bedarf, sondern dass Frauen dazu einen eigenständigen Beitrag zu leisten haben. Lioba schätzte er vor allem als fromme, hochintelligente und gut ausgebildete Persönlichkeit.
Tat
Tatkraft und Zuversicht strahlt die Biographie der heiligen Lioba aus. Ihre vielfältigen Begabungen hat sie ihrer Umgebung engagiert zu Gute kommen lassen. Sie ist eine von uns — so kann die zentrale dritte Tafel des Reliefs überschrieben werden: den Menschen nahe. Der schwangeren Frau, dem Rollstuhlfahrer, dem Fechter, dem verliebten Paar, Dir und mir verkündet sie das Hohelied der Liebe (1 Kor 13): Sprachen, Wissen, Erkenntnis, Glaubenskraft, Einsatzbereitschaft sind nichts ohne die Liebe; sucht die wahre Liebe, die langmütig und gütig ist, die sich nicht ereifert, nicht prahlt, nicht ihren Vorteil sucht, sich nicht zum Zorn reizen lässt und das Böse nicht nachträgt.
Die wahre Liebe hört niemals auf. Sie verbindet die Generationen, auch über Jahrhunderte hinweg. Es war eine Liebesbeziehung, die sich in einer Zeit größter Bedrohung zu bewähren hatte, als sich in der Schlussphase des 2. Weltkriegs die Tauberbischofsheimer Bevölkerung an Lioba um Fürbitte bei Gott wandte: Herr, rette uns …
Freude und Liebe
Freude und Liebe haben das Leben und den Dienst der heiligen Lioba erfüllt. So konnte sie auch mit Anfeindung umgehen. Einen neuen Aufbruch wagen — das hat nicht nur einmal ihr Leben bestimmt: aus der Familie ins Kloster; von der Insel aufs Festland; hörend, dienend und pilgernd unterwegs in ihrer Zeit …










