Kirche St. Jakobus, Dienstadt

 
Auf unzähligen Pilgerwegen waren und sind Menschen unterwegs nach Santiago de Compostella. Einer dieser Pilgerwege führte wohl auch durch Dienstadt und weiter nach Miltenberg. So ist der Kirchenpatron St. Jakobus der Ältere. Die Grundmauern des Chores reichen in das 14. Jahrhundert zurück, während das Kirchenschiff erst 1783 neu erbaut wurde.

Die elegante, gut gegliederte Fassade der Kirche mit dem schiefergedeckten Zwiebelturm dominiert die Dorfstraße. 7 Stufen führen in das Innere der Kirche. Sie können an die sieben Sakramente erinnern, die das Leben der Kirche prägen und wichtige Stationen auf dem Glaubensweg jedes Christen sind. Im Turm rufen drei Glocken (1953) zu Gebet und Gottesdienst.

Das kostbarste Ausstattungsstück im Inneren der Kirche ist der Hochaltar. Er wurde 1783 gestiftet und war damals hochmodern. Stilistisch vereint er nämlich die verspielten Formen des Rokoko mit strengen Schmuckelementen des aufkommenden Klassizismus. Durch die vier freistehenden Säulen und den konkaven Grundriss wirkt er wie eine Bühne, die die gesamte Chorrückwand ausfüllt. Das Zentrum bildet ein Ölgemälde (wohl noch aus dem 18. Jahrhundert), auf dem die Familie Marias abgebildet ist. Links hinten Joachim, als alter Mann mit Buch, vorne hat Anna ihre Tochter Maria auf dem Schoss und füttert sie. Ein Putto reicht der kleinen Maria eine Rose. Der Bildhintergrund ist durch Säulen und andere Architekturelemente gestaltet, die den Altaraufbau im Gemälde fortschreiben. Leider unterbricht das jetzige Bildmotiv die erstaunlich geschlossene thematische Aussageabsicht des Altars.

Bis 1962 fand sich dort stattdessen ein Gemälde des Kirchenpatrons. Zusammen mit den Figuren (links Petrus mit dem Schlüssen und rechts Johannes mit dem Adler), vereinte sich Jakobus zur Dreiergruppe der Zeugen der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor. Der Erzengel Michael bildet den Abschluss des Altars. Wie Jesu Kleider strahlend weiß wurden, so tragen auch sie weiße Gewänder, als Zeichen für ihre Heiligkeit. Die bewegte Statue des Erzengels tritt mit dem Betrachter in einen Dialog, da auf das Schild eine Frage geschrieben ist, die zum Bekenntnis auffordert: „Wer ist größer als Gott?“. Zu dieser Frage passt die Offenbarung während der Verklärung Jesu: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“

Wer sich zu Gott bekennt und auf die Weisung Jesu hört, der ist eingeschrieben in das Buch des Lebens. Dieses Buch mit den sieben Siegeln ist das letzte wichtige gestalterische Element des Altars. Es liegt auf dem Tabernakel, in dem Jesus im eucharistischen Brot selbst gegenwärtig ist und bildet den Thron für das Lamm, das mit Christus identifiziert wird.

Auf dem Altarblatt des Seitenaltars (von Eulogius Böhler, Würzburg 1902) begegnet Maria als Himmelskönigin, die dem Betrachter Jesus zeigt. Beide Bilder ergänzen sich zur Heiligen Sippe, in der uns drei Generationen begegnen. Maria präsentiert den göttlichen Sohn, der alle Weisheit dieser Welt in sich vereint. Maria selbst wird so zum Sitz der himmlischen Weisheit.

Bedeutendstes Zeugnis für die lange Tradition der Gemeinschaft des Glaubens ist der Taufstein. Er ist mit der Jahreszahl 1671 datiert. Im Kirchenraum selbst ist auf den Kreuzweg hinzuweisen (1982). Bei jeder Station tritt eine Person mit Jesus in Dialog, positiv, wie negativ. Der Betrachter ist eingeladen, sich selbst in den Gesichtern zu suchen.

Nur an einer Stelle begegnet uns der Kirchenpatron an der rechten Langhausseite. Stab und Muschel zeichnen ihn als Pilger aus, das Buch als Apostel. Eine weitere Figur findet sich vor der Kirche am Jakobusbrunnen. Gegenüber dem Kirchenpatron befindet sich der Heilige Wendelin, Patron der Bauern, bekleidet mit Hut und Schäfermantel und zu seinen Füßen ein Rind und ein Schaf. Er wird und wurde angerufen in Zeiten von Dürre und Seuchen. Text: Dr. Peter Zürcher, Kirchenführer 2006
 

Erbaut 1783
Ausstattung: u. a.
Taufstein (1671),
Seitenaltargemälde von Eulogius Böhler (1902)

Adresse:
Unterdorf 9
97941 Tauberbischofsheim - Dienstadt


Bildergalerie zur Jakobuskirche

  
 

Im Juli 2023 wurden die Renovierungsarbeiten weitestgehend abgeschlossen: