Kirche St. Vitus, Dittigheim

Bei einer Fahrt durch das Liebliche Taubertal erkennt man schon von weitem den für diese Region ehr untypischen Kirchturm mit einer Zwiebelhaube. Vor allem aber wegen ihrer wunderschönen barocken Innenausstattung ist die Dittigheimer Pfarrkirche immer einen Besuch wert. Geweiht ist sie, ganz der bäuerlichen Tradition verhaftet, dem Heiligen Vitus, einem der vierzehn Nothelfer. An der Stelle einer zerfallenen, dreischiffigen Pfeiferbasilika aus dem 12. Jahrhundert, entstand die heutige St. Vitus-Kirche nach Plänen von Balthasar Neumann, einem der bekanntesten Baumeister Frankens des 18. Jahrhunderts. Die Kirche besteht aus einem einschiffigen Bau mit Voutendecke, eingezogenem Chor und Turmfassade. Am 18. Juni 1748 war die Grundsteinlegung, die Fertigstellung 1752, jedoch existieren keine schriftlichen Unterlagen über die Einweihung.


 
Der Kirchturm hat eine Höhe von 36 Metern. Im Turm befinden sich 4 elektrisch angetriebene Glocken und das Uhrwerk aus dem Jahre 1908, welches 1959 erneuert wurde. Da im Ersten- und Zweiten Weltkrieg Glocken eingeschmolzen wurden, blieb nur die älteste Glocke erhalten. Erst 1958 wurden drei neue Glocken hinzugekauft. Die älteste und zugleich größte Glocke stammt aus der Zeit vor 1550 von Hans Glockengießer aus Nürnberg. Sie hat einen Durchmesser von 1100 mm und wiegt 820 kg. Die drei neuen Glocken stammen von der Glockengießerei Bachert aus Kochendorf.
 
Über die Ausstattung der Pfarrkirche
Die Deckengemälde sowie die Altargemälde aus dem 18. Jahrhundert stammen von Michael Wolcker aus Würzburg, sie thematisieren die Legende des Heiligen Vitus. Das Fresko des Chores zeigt die Heilige Dreifaltigkeit: der dreifaltige Gott thront auf der Weltkugel. Christus weist mit seiner rechten Hanf auf ein mächtiges, hinter ihm hervorragendes Kreuz. Der Heilige Geist schwebt über Gott-Vater und Gott-Sohn. Der Heilige Vitus wird von Engeln aus dem Kessel mit siedendem Öl befreit und zur Herrlichkeit des Himmels geleitet, wo ihn die Heilige Dreifaltigkeit empfängt.
 
Die Kanzel wurde 1753 aus der alten abgebrochenen Gerlachsheimer Klosterkirche der Prämonstratenser erworben. Sie besitzt einen Schalldeckel mit der Statue des Heiligen Norbert. Die vier Evangelisten, von Knaben und Engeln umgeben, schmücken den unteren Teil der Kanzel. Im Jahr 1879 wurden 14 Gemälde der Passion Christi in der Kirche angebracht und eingesegnet.
 
Die Holzarbeiten des linken Seitenaltars (ehemaliger Nikolausaltar) wurden von Mathias Walser aus Würzburg gefertigt. Ursprünglich war ein Gemälde des Heiligen Nikolaus eingefügt, das 1878 durch das heute noch vorhandene Altargemälde mit der Pieta (Kunstverlag Woerlin, Würzburg) ersetzt wurde. Zwei hölzerne Statuen, der Heilige Petrus mit dem Schlüssel und der Heilige Paulus mit dem Schwert, rahmen das Gemälde ein. Beide Statuen wurden 1768 von dem Bildhauer Franz Ignatz Schäfer aus Karlstadt angefertigt.
 
1749 wurden die Kirchenstühle „nach Bütharder Form“ beim Schreinermeister Adam Heffner, Grünsfeld, in Auftrag gegeben. Bei der Kirchenrestaurierung 1978*1984 wurde das Kirchengestühl unter Wiederverwendung der ursprünglichen Wangen erneuert.
 
Der Hochaltar wurde von Mathias Walser 1754 vollendet. Das ursprüngliche Hochaltarbild, das den Heiligen Vitus im Ölkessel darstellte, wurde 1880 durch das heutige Bild ersetzt. Das von Wilhelm Dürr aus Freiburg geschaffene Bild zeigt Jesus am Kreuz. Unter dem Kreuz trauern Maria, die Mutter Jesu, und der Apostel Johannes. Das Gemälde über dem Altarbild zeigt den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Im Jahre 1763 fertigte der Würzburger Bildhauer Auwera den wunderschönen Tabernakel mit Aussetzungsthron und zierlich gearbeitetem Flankenschmuck.
 
In der Seitennische rechts des Hochaltars steht die barocke Statue des Heiligen Märtyrers und Kirchenpatrons St. Vitus. Das Kirchenpatrozinium wird am 15. Juni gefeiert. Der Taufstein ist das einzige Relikt der romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Laut der eingemeißelten Inschrift auf dem oberen Rand des Taufsteines hat Pfarrer Caspar Dierlein am 29. Juli 1598 die erste Taufe an diesem Taufstein vorgenommen. Der Deckel des Taufsteines wurde 1992 von dem Restaurator Bronold aus Gerlachsheim gefertigt.
 
In der Mitte des Chores steht der Zelebrationsaltar, der von dem Dittigheimer Bäckermeister Josef Grimm gestiftet wurde. Der Zelebrationsaltar und der Ambo wurden am 20.5.1990 durch Bischof Dr. Dominik Kalata SJ konsekriert. Beide wurden von Bildhauer Ernst Singer aus Würzburg entworfen und ausgeführt. Der Ambo aus gelbem Jura ist mit der Darstellung des auferstandenen Herrn geschmückt. Der Altar, ebenfalls aus gelbem Krensheimer Jura, zeigt auf der Vorderseite das Mahl des auferstandenen Herrn mit dem Emmausjüngern. Auf der Rückseite erkennt man die drei Frauen am leeren Grab, die von einem Engel die Botschaft erhalten, dass Jesus auferstanden ist. Eingerahmt sind die Darstellungen von Ähren und Trauben.
 
Die Orgel wurde 1752 vom Würzburger Hoforgelmacher J.P. Seuffert vollendet. Das Instrument selbst wurde im Laufe der Jahrhundert mehrmals renoviert und umgebaut, zuletzt wurde die Orgel 1988 von Orgelbau Vleugels erneuert.
 
Quellen: Kirchenführer der Kirchengemeinde St. Vitus, Texte von Udo und Jennifer Bader, Dittigheim
 

 

Pfarrkirche:
Erbaut 1748-1752 nach Plänen von Balthasar Neumann

Glockengeläut

Adresse:
Rathausplatz 2
97941 Tauberbischofsheim - Dittigheim



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