Die Partnerin von Musik/Gesang und gesprochenem Wort ist – die Stille.
Sie ist keine “peinliche Pause”, in der dem Komponisten nichts eingefallen ist oder der Lektor/ Zelebrant nicht aufgepasst und den roten Faden verloren oder der Organist kein passendes Stück gefunden hat. Die Stille ist ein wesentliches liturgisches (Gestaltungs-) Element in unseren Gottesdiensten und besonders in der Fasten- und Adventszeit wird dies bei uns verstärkt genutzt und gepflegt.
In der Bibel gibt es zahlreiche Stellen, die von der Stille berichten bzw. in denen der Mensch aufgefordert wird, vor GOTT still zu werden (Psalmen u.a.). Auch die “Instruktion über die Musik in der Liturgie” (1967, nach dem II. Vatikanischen Konzil) nimmt dies auf und fordert im Teil II Abschnitt 17 dieses bewusste Einsetzen:
“Auch das heilige Schweigen soll zu seiner Zeit eingehalten werden. Die Gläubigen werden dadurch nicht etwa zu Außenstehenden oder stummen Zuschauern der liturgischen Handlung; vielmehr werden sie tiefer in das gefeierte Mysterium hinein genommen durch die innere Bereitung, die vom Hören des Wortes Gottes, der Gesänge und vorgetragenen Gebete ausgeht ......” (Zitat)
In der Tat ermöglicht Stille, neuen Raum für Gedanken und Gespräche zu finden: in sich zu gehen, die Seele zu öffnen, die Gedanken zu ordnen, neue Worte im Geist zu formulieren – und wenn dies in einem Gespräch mit GOTT endet, dann nennen wir dies “beten”.
Stille ist ein “Ort”, ein Zustand, in dem man neue Erfahrungen und Erkenntnis von und mit GOTT und mit sich selbst gewinnen kann.
Richtiges Zuhören ist aktive Teilnahme am geistlichen Leben und eine Kunst; die Stille richtig “auszuhalten” noch viel mehr.
In der hektischen Welt von heute, in der wir viel akustischem Stress und einer überladenen Masse von (oft belanglosen) Höreindrücken ausgeliefert sind (z.B. Beschallungen, Alltagslärm), sehnen sich Geist und Seele nach Ruhe und Stille.
Daher sind unsere Kirchen oft noch der letzte Schutzraum vor dieser manipulierenden Flut. Auch der Besuch vieler Gemeindemitglieder und Touristen am Tag, die still einige Minuten im Kirchenraum verweilen, bestätigt dies.
Auch von Jesus wird berichtet, dass er gezielt die Stille suchte .......
Unsere Liturgie ist konzipiert als eine heilige, gemeinschaftliche Handlung und Ehrerbietung unserem GOTT gegenüber. Aber sie ist auch eine Handlung, die die Menschen selbst “heil” machen kann – als Abbild der Handlungen Jesu Christi den Menschen seiner Zeit gegenüber.
Daher bekommt die Stille einen angemessenen Platz – und es entfällt z.B. das Orgelnachspiel in der Fasten- und Adventszeit, um am folgenden Festtag mit neuer glanzvoller Freude zu erklingen!
Offb 8,1-5: Als das Lamm das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel Stille ein, etwa eine halbe Stunde lang.
Psalm 37,7: Sei stille dem Herrn, und warte auf ihn! Er wird dir geben, was dein Herz wünscht. (vertont im Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy)
Jes 30,15: Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft.
Bericht: Brigitta Meuser






