Weihrauch

Weihrauch (Olibanum) ist das Harz der Weihrauchbäume. Die Stämme werden angeritzt, der austretende weiße Balsam härtet über Wochen, erstarrt an der Luft zu Körnern und wird dann geerntet, vornehmlich in Indien, Somalia und auf der arabischen Halbinsel.Nicht nur Kirchen und Klöster bevorzugen den Duft, auch viele Privatkunden wollen die Wohlgerüche in den eigenen vier Wänden verbreiten. (Räucherstäbchen, Duftkegel ...).

Harz für die Gesundheit

Das Harz des Weihrauchbaums ist nicht nur für den religiösen Gebrauch von Bedeutung, sondern diente schon immer auch als (All-)Heilmittel. Weihrauch gilt als schmerzlindernd und entzündungshemmend, als beruhigend und Abwehr stärkend.

Hauptanwendungsgebiete für Weihrauch in der Medizin sind z.B. Rheuma, chronische Darm- und Gelenk-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen, Allergien, Hirntumoren, Schuppenflechte, zum Desinfizieren von Wunden. Als Salbe wurde Weihrauch zum Beispiel gegen Geschwüre, Kopf- oder Ohrenschmerzen aufgetragen. (Was viele sicherlich verwundern wird) Vor allem aber entständen kaum Nebenwirkungen.

Eine lange Tradition hat auch die Beräucherung von Getreidevorräten, Innenräumen, Kleidern und Lebensmitteln, denn Weihrauch gilt als natürliches Insektenmittel 

Einsatz und Bedeutung in der Kirche

Der wahrscheinlich bekanntere Einsatz ist es, wenn in der Kirche auf einmal Nebel herrscht. Hier wird der Weihrauch auf glühenden Kohlen langsam verbrannt. Es steigt ein weißer Rauch auf, der einen aromatischen und wohlriechenden Duft verbreitet (andere sagen: "Es stinkt!")

Weihrauch wird bei besonders feierlichen Gottesdiensten verwendet, bei Vespern, Prozessionen, und auch bei Beerdigungen. Im Sonntagshochamt wird an verschiedenen Stellen beräuchert (inzensiert): Zum Beginn des Gottesdienstes (Altarinzens), vor dem Evangelium (Inzens des Evangelienbuchs), zur Gabenbereitung (Inzens der Gaben) und zur Wandlung (Inzens des Leibes und des Blutes Christi). In manchen Gemeinden schließen sich an die Beräucherung der Gaben die Priester- und Volksinzens an. In Ostergottesdiensten werden zusätzlich Kreuz und Osterkerze beräuchert, in Andachten oder an Fronleichnam wird das Allerheiligste (Monstranz) inzensiert. Außerdem wird Weihrauch bei der Kirch-, Altar- und Glockenweihe sowie Segnungen verwendet.

Die symbolische Bedeutung des Weihrauches besagt, dass wie der Rauch in die Höhe steigt, auch unser Gebet zu Gott steigen möge. Auch in der Bibel ist der Weihrauch häufig als kostbare Opfergabe erwähnt. So brachte man z.B. Gold, Weihrauch und Myrrhe zur Krippe nach Bethlehem.

Aus der katholischen Kirche ist der Weihrauch nicht wegzudenken – auch wenn sich einige dies wahrscheinlich wünschen mögen. Er stellt eine besondere Ehrbezeugung Gottes dar.

 


Weihrauchdienst der Messdiener

Der Weihrauchdienst ist bei vielen Ministranten sehr beliebt. Jeweils zwei Messdiener sind für den Dienst eingeteilt: Ein Messdiener (Thuriferar) trägt das Weihrauchfass, ein zweiter (Navicular, lat. navicula = Schifflein ) das sogenannte Schiffchen, das einem Schiff ähnelnde Gefäß, in dem sich die Weihrauchkörner befinden.

Vor Beginn des Gottesdienstes wird das Weihrauchfass von Ascherückständen befreit und die erste Kohle wird angezündet. Um die Kohle zum Glühen zu bringen, wird durch Schwenken des Fasses für ausreichende Luftzufuhr gesorgt. Das Anzünden der zweiten Kohle erfolgt nach dem Evangelium.

Bevor Weihrauchkörner vom Priester oder den Messdienern auf die glühende Kohle gelegt werden, wird mit einem kleinen Löffel die Asche von der Kohle abgekratzt. Damit die Kohle atmen und der Weihrauch seinen charakteristischen Duft entfalten kann, sollten nicht zu viele Körner aufgelegt werden.

Ein weit verbreiteter Glaube ist, dass Weihrauch die Umkipprate von Messdienern erhöht, da diese dem Weihrauch besonders intensiv „ausgesetzt" sind.

Dies ist aber unter anderem durch folgende Umstände zu erklären: Messdiener befinden sich überwiegend in einem Alter, in dem es sehr häufig durch Wachstum, Pubertät und anders zu Kreislaufstörungen kommt. Weitere Auslöser sind der Wärmestau der dicken Gewänder, überdurchschnittliche Nervosität und Kerzen (Flambeau-Träger), die durch Halten "unter der Nase" den Sauerstoff rauben.

Auch ist immer wieder ein deutlicher Anstieg der Hustenlaute in der Kirche zu vernehmen, wenn ein Weihrauchfass in Erscheinung tritt (selbst wenn es noch nicht qualmt). Der Hustenreiz wird allerdings nicht durch den Weihrauch, sondern durch die verbrannte Kohle verursacht.


Mini aktuell Nr. 2 / cw