Ein neuer Anfang

19.12.2025 | Leitgedanken

von Thomas Holler, 
Pfarrer

Ein neuer Anfang ist manchmal nötig, wenn eine Situation so verfahren ist, dass nichts mehr geht, zum Beispiel:
 
  • Wenn uns Gewohnheiten lähmen, Abläufe in Routine erstarren und keine Entwicklung mehr stattfindet.
  • Wenn uns Aufgaben überfordern, Probleme krank machen und keine Aussicht auf Besserung besteht.
  • Wenn uns Vorhaben misslingen, Wege in Sackgassen führen und Fehler nicht mehr zu korrigieren sind.
  • Wenn uns Schulden drücken, Konflikte belasten und trotz aller Bemühungen kein Ausweg zu sehen ist.
  • Wenn Beziehungen in eine Krise geraten, Enttäuschungen oder Verletzungen nachwirken und kein unbefangenes Miteinander mehr möglich ist.
 
Ein neuer Anfang ist nur möglich, wenn man die Chance dazu bekommt, und auch dann nur, wenn man diese Chance nutzt. Das gilt nicht nur für einzelne Menschen mit ihren Sorgen und Problemen, sondern für die ganze Menschheit. Denken wir an die großen Herausforderungen unserer Zeit: An die Kriege und Konfliktherde weltweit, an Armut und Hunger in vielen Ländern der Erde, an Naturkatastrophen und die Folgen des Klimawandels, an die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten und sozialen Spannungen, global und in unserer Gesellschaft. In all diesen Bereichen wäre ein Neuanfang dringend nötig. Doch in all diesen Bereichen stellt sich auch die bange Frage, ob ein Neuanfang überhaupt noch möglich ist und, wenn ja, ob die Menschheit die Chance dazu nutzt.
 
Vor diesem Hintergrund finde ich es bemerkenswert, wie oft in der Bibel von Neuanfängen berichtet wird, wie oft Gott einzelnen Menschen oder seinem Volk Israel einen neuen Anfang ermöglicht hat, vor allem aber, wie er durch seine Menschwerdung mit der ganzen Menschheit einen neuen Anfang gemacht hat. Mit seinem Kommen in unsere Welt hat Gott jedenfalls gezeigt, dass ihn das Unheil und Unrecht dieser Welt nicht kalt lässt und er die Menschheit trotz allem nie abgeschrieben hat, dass er nicht fern von uns im Himmel thront, sondern unser Leben hier auf Erden mit uns teilt und uns in Freud und Leid zur Seite steht, dass er uns als Mensch vorgelebt hat, wie wahres Menschsein aussehen kann und wie wichtig dabei Barmherzigkeit und Liebe, Vergebung und Versöhnung sind.
 
Weihnachten bedeutet, dass Gott uns dabei nicht allein gelassen hat, sondern uns Menschen maximal entgegen gekommen ist, dass er durch seinen Sohn Jesus Christus als Mensch unter uns gewohnt hat und dass er durch seinen Heiligen Geist für immer bei uns bleibt.
 
Weihnachten bedeutet, dass der alttestamentliche Name Gottes „Immanuel“ – „Gott ist mit uns“ durch sein Kommen in unsere Welt wahr geworden ist, dass er immer bei uns ist und alle Wege unseres Lebens mitgeht und dass deshalb auch bei uns immer ein neuer Anfang möglich ist und gelingen kann.
 
Weihnachten ist für mich ein Anlass, allen zu danken, die sich immer wieder um einen neuen Anfang mit Gott und den Mitmenschen bemühen, die sich mit Freude und Gottvertrauen für eine innere Erneuerung von Glauben und Kirche einsetzen und mit ihren Mitteln und Möglichkeiten beim Aufbau einer besseren Welt mitwirken.
 
Weihnachten gibt mir die Hoffnung, dass auch der große Neuanfang, der unseren Kirchengemeinden 2026 bevorsteht, gut gehen kann, dass unsere Bemühungen um die Professionalisierung der Verwaltung, die Entlastung der Haupt- und Ehrenamtlichen und um neue Freiräume für die Seelsorge gelingen, dass sich die „Risiken und Nebenwirkungen“ der Strukturreform einigermaßen in den Griff kriegen lassen, vor allem aber, dass unser Weg in die Zukunft mit Gott und miteinander unter Seinem Schutz und Segen steht. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen:
 
Frohe Weihnachten
Euer Pfarrer Thomas Holler
 
  

Dekan Thomas Holler

Leiter der Seelsorgeeinheit
09341 / 9225-14