Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung
16.03.2024 |
Leitgedanken zu Ostern
von Pfarrer Thomas Holler
Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Webseite!
Im Jahr 1856 machten Archäologen bei Ausgrabungen in Rom eine außergewöhnliche Entdeckung. An einem Gebäude stießen sie auf antichristliche Graffiti und erkannten unter anderem ein Spottkruzifix, auf dem Jesus mit einem Eselskopf dargestellt ist und von einem jungen Mann gegrüßt wird. Darunter sind die griechischen Worte eingeritzt: „Alexamenos sebete theon“. Das heißt auf Deutsch: „Alexamenos betet (seinen) Gott an“.
Im Jahr 1856 machten Archäologen bei Ausgrabungen in Rom eine außergewöhnliche Entdeckung. An einem Gebäude stießen sie auf antichristliche Graffiti und erkannten unter anderem ein Spottkruzifix, auf dem Jesus mit einem Eselskopf dargestellt ist und von einem jungen Mann gegrüßt wird. Darunter sind die griechischen Worte eingeritzt: „Alexamenos sebete theon“. Das heißt auf Deutsch: „Alexamenos betet (seinen) Gott an“.
Für Römer, die sich ihre Götter als mächtig und unbesiegbar vorstellten, war der Glaube der Christen blanker Unsinn: Ein Gott, der schwach und ohnmächtig am Kreuz hing, war für sie ein Esel! Mit dem Spottkreuz haben sie das deutlich zum Ausdruck gebracht.
Für Juden, die auf einen starken Messias hofften, war der Kreuzestod Jesu eine Bestätigung, dass er nicht der Erlöser sein konnte. Ein Mensch, der am Kreuz hing, war in ihren Augen von Gott verlassen. Im Alten Testament heißt es ja: „Verflucht ist, wer am Pfahl hängt“ (Dtn 21,23).
Das war auch Paulus bewusst. Dennoch oder gerade deshalb hat er geschrieben: „Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1,23). Für Paulus ist das Zeichen der Schande und des Todes zum Zeichen der Erlösung und des Lebens geworden.
Einige Jahre nach der Entdeckung des Spottkreuzes haben Archäologen in der Nähe ein Standbild des römischen Kriegsgottes Mars gefunden. Auf dem Sockel dieser Statue erkannten sie die lateinischen Worte: „Alexamenos fidelis“. Das heißt auf Deutsch: „Alexamenos ist treu“. Anscheinend war das die Antwort des jungen Christen auf den Spott der Römer. Er glaubte, dass Jesus nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden ist. Für ihn war Jesus kein Esel, sondern der Sieger über Sünde und Tod.
Bis heute ist das Kreuz für uns Christen das wichtigste Zeichen unseres Glaubens. Durch die Auferstehung Jesu ist es für uns zu einem Zeichen der Hoffnung geworden:
- Das Kreuz führt uns vor Augen, dass sich Gott aus dem Unheil dieser Welt nicht fein herausgehalten hat, dass er vielmehr als Mensch selbst Leid und Tod auf sich genommen hat und aus eigener Erfahrung weiß, weiß, wie furchtbar Leidenden zumute ist, bis hin zum Gefühl der Gottverlassenheit am Kreuz (vgl. Mt 27,46).
- Das Kreuz steht dafür, dass Christus Leid und Tod überwunden hat, dass Liebe und Vergebung stärker sind als Hass und Gewalt, dass wir uns als Christen dem Unheil dieser Welt zwar nicht entziehen können, dass wir aber eine Hoffnung haben, die über den Tod hinausreicht, und einen Erlöser, der uns zur Seite steht.
- Das Kreuz erinnert uns schließlich daran, dass wir Christen in einer Welt voll Leid und Tod den Glauben an die Auferstehung hochhalten müssen und furchtlos für Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe eintreten sollen in der Hoffnung, dass Gott eines Tages alles Unheil und Unrecht besiegen wird und das Gute letztlich siegt.
Diese Hoffnung wünsche ich an Ostern von Herzen allen Menschen, besonders denen, die gerade ein schweres Kreuz zu tragen haben und besonders stark mit Leid und Tod konfrontiert sind, in den Kriegs- und Krisengebieten der Welt, aber auch in unseren Gemeinden. Ihnen allen ruft Christus gleichsam vom Kreuz her zu: „Nur Mut. Du bist nicht allein. Ich trage dein Kreuz mit dir. Ich habe den Tod überwunden und bin gekommen, um dir Hoffnung zu schenken und Leben zu geben“ So singen wir am Karfreitag schon im Blick auf Ostern:
„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“
Das Kreuz Christi und die Kreuze unseres Lebens werden nicht einfach beseitigt, aber sie werden erhellt vom aufgehenden Licht des Ostermorgens und überstrahlt von Christus, der Sonne der Gerechtigkeit. In diesem Sinne Euch allen:
Frohe Ostern!
Euer Pfarrer Thomas Holler



